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Hilfe zu Hause
Lesen und Schreiben sind Kulturtechniken, die einen gesunden, weil ganzheitlichen Zugang zur geistigen Welt ermöglichen. Doch die Beherrschung dieser Techniken sind nicht Maßstab zur Bewertung eines Menschen und deren Vermittlung darf keinesfalls zum unabdingbar alles dominierenden Mittelpunkt im Leben des Kindes werden. (aus: LRS-Ratgeber für den Weg zur Selbsthilfe; 2004 ABI)
Dennoch wirkt die Schule bei vielen Familien in den Alltag hinein. Besonders Kinder mit Lernschwierigkeiten verlieren schnell die Lust an Schule und am Lernen, erleben es nur als lästige und vor allem erfolglose Anstrengung.
Die hier vorgestellten Anregungen können Ihnen vielleicht helfen, nicht zu resignieren und Ihrem Kind den Weg zu seinem eigenen Lernstil zu zeigen.
Hausaufgaben
Vorweg vernünftige Zeitgrenzen, die unter dem Gesichtspunkt der Lernbiologie nicht überschritten werden sollten:
1. / 2. Klasse: 30 Minuten 3. / 4. Klasse: 60 Minuten 5. / 6. Klasse: 90 Minuten 7.-10. Klasse: 120 Minuten
Auch Kinder, die langsamer sind als andere, sollten nicht länger arbeiten müssen. Zum einen lernen sie dabei auch nicht mehr, zum anderen sind Spiel und Bewegung mindestens genauso notwendig. Sogar laut eines ministeriellen Erlasses für Nordrhein-Westfalen “empfiehlt es sich, die gestellten Aufgaben nach der Leistungsfähigkeit, der Belastbarkeit und den Neigungen der Schüler/innen zu differenzieren”. Hausaufgaben müssen also gar nicht für alle Kinder gleich schwierig oder umfangreich sein, sondern dürfen oder sollen sogar den Kindern individuell angepasst werden!
Sollten die Hausaufgaben bei Ihnen zu Hause also häufig den Familienfrieden (zer-)stören, scheuen Sie sich nicht, die Lehrer auf die Möglichkeit von weniger oder leichteren Aufgaben - zumindest für eine Zeit lang - anzusprechen!
Alle Hausaufgaben werden von Ihrem Kind in einem Aufgabenheft notiert! Dies ist vor allem notwendig, wenn Ihr Kind die Aufgaben häufig vergisst. Wichtig ist es, Ihrem Kind zu zeigen, wie es die Aufgaben am besten aufschreiben kann, z.B. das Datum und die Fächer werden im Voraus eingetragen und die Aufgabe sofort am Ende einer Unterrichtsstunde aufgeschrieben. Sollte Ihr Kind immer wieder die Eintragungen vergessen, machen Sie mit ihm eine angemessene Belohnung aus, welche es erhält, wenn es die Hausaufgaben notiert. Wenn es nicht weiß, was es aufhat, sollte Ihr Kind und nicht Sie die Aufgaben telefonisch bei einem Klassenkameraden in Erfahrung bringen.
Die Hausaufgaben werden immer am gleichen Platz gemacht! Idealerweise sollte dies der eigene Schreibtisch sein. Es kann aber auch der Küchen- oder Esstisch sein.
Vermindern Sie die Ablenkungsmöglichkeiten bei den Hausaufgaben! Dazu gehört vor allem die Entfernung unmittelbar greifbare Spielsachen. Auch der Blick aus dem Fenster kann ablenken. Setzen Sie sich am besten einmal an den Arbeitsplatz Ihres Kindes und schauen Sie, was stören könnte. Zudem sollten Störungen durch Geschwister möglichst vermieden werden. Rufen schon häufig frühzeitig Freunde an oder stehen zum Spielen vor der Tür, stellen Sie das Telefon oder die Klingel einfach ab.
Die Hausaufgaben werden immer an der gleichen Stelle im Tagesablauf gemacht! Legen Sie generell den Zeitpunkt fest, wann die Aufgaben gemacht werden. Dabei muss es sich nicht unbedingt um eine feste Uhrzeit handeln, sondern um den gleichen Zeitpunkt im Tagesablauf, z.B. eine halbe Stunde nach dem Mittagessen. Manche Kinder benötigen nach der Schule eine längere Pause, daher probieren Sie verschiedene Tageszeiten einfach aus. So kann es auch sein, dass Ihr Kind z.B. nach dem Abendbrot viel entspannter arbeiten kann.
Vereinbaren Sie zusammen mit Ihrem Kind eine maximale Zeit, in der die Hausaufgaben erledigt werden sollen! Verschaffen Sie sich dazu mit Ihrem Kind einen Überblick über die anstehenden Aufgaben. Dann bestimmen Sie für jede einzelne Aufgabe eine Zeit, in der Ihr Kind sie erledigen könnte. Die Zeit sollte dabei so bemessen sein, dass Ihr Kind die Aufgaben gut erledigen kann, wenn es ohne Unterbrechung in normalem Tempo arbeitet.
Erstellen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind einen Punkteplan für die Hausaufgabenzeit! Lassen Sie Ihr Kind die einzelnen Aufgaben (z.B. Lesen, Rechnen, Schreiben) und die pro Aufgabe vereinbarte Höchstzeit in einen Plan eintragen. Damit Ihr Kind selbst kontrollieren kann, wie viel Zeit es hat, muss eine Uhr in Sichtweite sein. Bei jüngeren Kinder kann auch eine Eieruhr helfen. Ihr Kind meldet sich bei Ihnen, wenn es eine Aufgabenart erledigt hat und trägt die dafür tatsächlich gebrauchte Zeit in den Plan ein. Es bewertet dann auf einer Notenskala von 1 bis 6, wie gut ihm seiner Meinung nach die Aufgabe gelungen ist. Schauen Sie gemeinsam die Aufgabe durch, besprechen evt. Korrekturen und geben Sie Ihrem Kind dann eine Note für die Qualität der Aufgabe. Seien Sie dabei nicht zu streng! Wenn Sie die Qualität mit mindestens ausreichend (4) bewerten können und Ihr Kind die Zeit nicht überschritten hat, darf es einen Punkt aufkleben. Für erarbeitete Punkte erhält es eine Belohnung, die vorher abgesprochen wurde (z.B. für 5 Punkte eine kleine Süßigkeit, für 10 Punkte 15 Minuten länger Fernsehen usw.).
Konzentration
Zuvor wichtig zu wissen: Die durchschnittliche Konzentrationsdauer bei Pflichtaktivitäten beträgt im Alter von
5 - 7 Jahren:15 Minuten 8 - 9 Jahren: 20 Minuten 10 - 12 Jahren: 25 Minuten ab 12 Jahren: 30 Minuten
Ist eine längere Arbeitszeit gefordert, so kann nur durch kurze Pausen (5 Minuten) die entsprechende Leistungsfähigkeit erzielt werden. Solche Pausen sollen 3 wichtige Dinge enthalten:
- Bewegung
- frische Luft
- Wasser
Sind allerdings zwei bis drei Pausen während einer Arbeitsphase gemacht worden, ist eine mehrstündige “Auszeit” notwendig. Weitere Übungen bringen sonst keinerlei Lernerfolg mehr.
Scheint Ihr Kind in der Schule und bei den Hausaufgaben sehr unkonzentriert zu sein, sollte man sich zuerst die eventuelle Ursache vergegenwärtigen, die zu unkonzentriertem Lern- und Arbeitsverhalten führen könnte. Vielleicht lässt sich zuerst bei Ihnen etwas ändern. Grundsätzlich ist es sinnvoller, die Umwelt kindgerechter zu gestalten, als ein Kind an sie anpassen zu wollen. Die Liste ist sicher nicht vollständig, aber vielleicht können Sie die ein oder andere Ursache beeinflussen.
Ursachen können sein:
- äußere Lebensumstände (z.B. Umzüge, Wechsel der Bezugsperson, körperliche oder seelische Verletzungen)
- physiologische Belastungen (z.B. einseitige Ernährung, zu wenig oder unregelmäßiger Schlaf)
- Umweltbelastungen (z.B. Lärm, Giftstoffe, elektromagnetische Felder)
- Reizüberflutung der Sinne Auge und Ohr (z.B. Fernsehen, andere Bildschirmmedien, Dauerhören lauter Musik)
- Reizmangel durch Bewegungsarmut (z.B. Fernsehen, PC, wenig Klettern, Toben, Balancieren, Bauen,...)
- Pubertät
- Alltagshektik (z.B. zu viele Termine)
- Fehlen geeigneter Reize zur Weckung der Aufmerksamkeit (z.B. langweiliger Unterricht, keine anschauliche Umsetzung)
- Überforderungsgefühle als Folge von Leistungsdruck
- Angst
Im Unterschied zu den “normalen“ Konzentrationsmängeln bei Kindern ist eine Konzentrationsschwäche ein dauerhafter Zustand. Sie kann entweder angeboren, z.B. als neurologische Dysfunktion wie beim Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ADS oder durch schwere Schädigungen herbeigeführt sein, z.B. als Folge einer Hirnhautentzündung.
Sollten Sie eine Konzentrationsschwäche bei Ihrem Kind vermuten, wenden Sie sich bitte an Ihren Kinder- oder Hausarzt.
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