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Fördermöglichkeiten
Verschiedene Ursachen der Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten fordern unterschiedliche Förderung. Ein Kind mit Legasthenie würde in einem gewöhnlichen Nachhilfeinstitut untergehen und keine wirklichen Fortschritte machen, einem Kind mit erworbener Lese- Rechtschreibschwäche - etwa durch Unterrichtsversäumnis z.B. durch lange Krankheit - würde eine Lerntherapie nicht schaden, aber vom inhaltlichen und finanziellen Aspekt her, bei einem Nachhilfelehrer gut aufgehoben sein.
Nachhilfe
Nachhilfe in Instituten, bei Nachhilfelehrern, Studenten usw. ist sinnvoll für Kinder, die aufgrund besonderer Umstände während einer bestimmten Zeit Unterrichtsinhalte versäumt haben und nachholen sollten, also für
- Kinder, die aufgrund eines Umzuges Lernstoff nachholen.
- Kinder, die wegen längerer Krankheit einiges an Unterrichtsstoff versäumt haben und diesen nacharbeiten.
- Kinder, die durch Lernversäumnisse der Schule (häufiger Lehrerwechsel, Krankheit des Lehrers) Lücken im Stoff aufweisen.
- Kinder, die aufgrund familiärer Problemlagen vorübergehende Motivationsblockaden hatten und Lernstoff aufholen.
- Kinder, die nach schwierigen Phasen in der persönlichen Entwicklung (z.B. Pubertät) die Unterrichtsinhalte nacharbeiten.
Wichtig: Nachhilfe sollte immer zeitlich begrenzt sein und nicht zum Dauerbegleiter des Kindes werden! Hat das Kind nach 1 Jahr keinen sichtbaren Erfolg, sollte eine andere Möglichkeit in Erwägung gezogen werden!
Es gibt unterschiedliche Formen der Nachhilfe:
Einzelnachhilfe Einzelnachhilfe eignet sich besonders bei isolierten Problemen wie Lernstoffaufarbeitung bei Schulwechsel, vorübergehend intensive Unterstützung in einem Fach, bei übergroßen Lernlücken oder Prüfungsvorbereitungen.
Gruppennachhilfe Geeignet zur Aufarbeitung des derzeitigen Unterrichtsstoffes und Unterstützung bei den Hausaufgaben. Nachhilfe in der Gruppe hat den Vorteil, dass mehrere Gleichgesinnte in einer Gruppe sind, die Nachhilfe erhält eher den Charakter einer Arbeitsgemeinschaft, eine Isolation des Kindes entfällt. In der Gruppe können auch Schüler als “Lehrer” eingesetzt werden und besser erklären / verstehen lernen. Die größere Vielfalt der in der Gruppe besprochenen Probleme kann den Schülern mehr bringen.
Sollten Sie sich für Einzelnachhilfe entscheiden, sollten Sie folgendes beachten:
- Der externe Nachhilfelehrer sollte möglichst durch Empfehlung (über die Schule, Lehrer, Mitschüler usw.) gefunden werden.
- Er sollte während der Nachhilfe unbedingt Kontakt mit dem Lehrer unterhalten und sich dort laufend orientieren.
Sollten Sie ein Nachhilfeinstitut vorziehen, beachten Sie:
- Die Gruppe darf nicht zu groß sein. Die Zahl von 5-8 Schülern sollte nicht überschritten werden.
- Die Gruppe soll homogen sein, das bedeutet, eine Vermischung verschiedener Fächer, Altersstufen und Schularten in einer Gruppe ist pädagogisch unsinnig. Gruppenbildung für ein Fach aus einer Altersstufe der gleichen Schulart.
- Der Unterricht soll in geeigneten Räumen stattfinden.
- Es soll qualifizierte Lehrer bzw. Pädagogen mit Unterrichtserfahrung geben, die zudem Kontakt mit der Schule halten, um notwendige Informationen zu erhalten.
- Vereinbaren Sie eine Probestunde.
- Unterschreiben Sie keine langfristigen Verträge. Diese sollten monatlich, allenfalls 1/4-jährlich kündbar sein.
Legasthenietraining / Legasthenietherapie / Lerntherapie
ist sinnvoll für Kinder, bei denen eine Legasthenie oder eine Lese- Rechtschreibschwäche aufgrund Persönlichkeits- oder Verhaltensstörungen oder schwach ausgeprägten neurologischen Erkrankungen (Seh-, Hör-, Sprachstörung) festgestellt worden ist und somit ein spezielles Strategietraining benötigen.
Wann Sie eine lerntherapeutische Einrichtung aufsuchen sollten:
- Wenn Sie bei Ihrem Kind - ohne offensichtliche Anlässe - über mehrere Monate oder gar ein Jahr und länger keine Lernfortschritte beobachten,
- wenn Schule bei Ihnen ein Dauerthema wird,
- wenn häufig Streit um Schule und andere Themen aufkommt,
- wenn Ihr Kind häufiger in Tränen ausbricht und sich Wut, Unlust, Kopf- oder Magenschmerzen häufen,
- wenn Sie nicht mehr weiter wissen,
- wenn Sie mit Strafen und Verboten reagieren, womöglich gegen Ihre sonstige Einstellung.
Es gibt kein einheitliches Konzept von Legasthenietraining / Lerntherapie. Insbesondere unterscheidet sich das Training aber von Nachhilfe darin, dass es eine ganzheitliche Förderung ist, d.h. es wird nicht nur am aktuell rückständigen Lerninhalt gearbeitet, sondern auch in anderen Bereichen, z.B. im Bereich
- der Wahrnehmung (Hören, Sehen, Bewegung),
- der Aufmerksamkeit und Konzentration,
- der Sprache
- des Selbstwertgefühls.
Zudem orientieren sich die Förderinhalte nicht unbedingt an den Lerninhalten des Schulunterrichts, sondern am derzeitigen Lernstand des Kindes. Es wird sich an den Fähigkeiten des Kindes orientiert, um es nicht zu überfordern und Erfolgserlebnisse zu vermitteln. Die Übungen setzen sozusagen an der “Null-Fehler-Grenze” des Kindes an.
Des Weiteren werden möglichst alle an der Lernsituation des Kindes beteiligten Personen mit einbezogen. Dies sind im Allgemeinen: das Kind selbst, die Familie (Eltern), die Lehrkräfte (sofern von den Eltern gewünscht).
Gegebenenfalls besteht auch Kontakt zu Ärzten und anderen therapeutischen Fachkräften (Logopäden, Ergotherapeuten, Psychotherapeuten,...), um weitere Hintergründe zu erfahren und Schritte abzustimmen.
Im Allgemeinen sollte Legasthenietraining eine Einzel- oder Kleinstgruppenförderung (2 Kinder) sein, um den individuellen Schwierigkeiten jedes Kindes gerecht zu werden. Es gibt auch Förderung von bis zu 4 Kindern in einer Gruppe, dann ist aber darauf zu achten, dass die Kinder einen ähnlichen Lernstand haben und gut zusammen arbeiten können. Eine Lerntherapie dauert im Durchschnitt 2 Jahre.
Begleitende Maßnahmen
Bei manchen Kindern kommen zu der Lese- Rechtschreibschwäche weitere Entwicklungsstörungen hinzu, für die im Legasthenietraining keine Fördermöglichkeit besteht. Eine Zusammenarbeit mit weiteren Fachpersonen ist dann möglich und sinnvoll.
Ergotherapie zur Verbesserung
- der Grob- und Feinmotorik
- der Graphomotorik (Schreibbewegung)
- der sensorischen Integration (Verarbeitung der Sinneswahrnehmungen)
- Hör- und Sehwahrnehmung
Logopädische Therapie zur Verbesserung
- der Aussprache bestimmter Laute
- der Erweiterung des Wortschatzes
- der Grammatik
- der Kommunikation
- der Artikulation (Mund-, Lippen- und Zungensteuerung)
Psychotherapie zur Verbesserung
- des Selbstwertgefühls
- der Eltern-Kind-Beziehung
- der Hausaufgabensituation
- möglicher psychosomatischer Beschwerden durch Stressabbau
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