Diagnose: Wie wird eine Legasthenie / LRS festgestellt?

Um festzustellen, ob bei einem Kind eine Legasthenie / eine Lese- Rechtschreibschwäche vorliegt, sollte eine eingehende Diagnostik durchgeführt werden.

In der Praxis gibt es verschiedene diagnostische Ansätze, daher ist das Vorgehen bei einer Diagnose nicht immer einheitlich. Dies liegt daran, dass es nicht DEN Legasthenietest gibt. Eine Diagnose besteht aus mehreren Tests, Beobachtungen und Gesprächen, die dann zusammen ein Ganzes ergeben. Das Verfahren der Differenzialdiagnostik wird am meisten vertreten. Es liegt die Annahme zu Grunde, dass einzelne Defizite oder Teilleistungsschwächen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten spielen und dass es diese deshalb aufzudecken gilt. Dabei werden folgende Bereiche beobachtet und getestet:

  • Lese- und Rechtschreibentwicklung
    Feststellung der schriftsprachlichen Entwicklungsstufe.
  • Sprachentwicklung
    Beurteilung der Artikulationsfähigkeit von Einzellauten und komplexen Lauten, sowie grammatikalischen Fähigkeiten.
  • Grob- und Feinmotorik
    Entwicklung der allgemeinen Körperbewegung und der Hand- und Fingergeschicklichkeit.
  • Intelligenz
    Feststellung der geistigen Fähigkeiten.
  • Körperliche Verfassung
    Vor allem Überprüfung der Seh- und Hörfunktionen und der Wahrnehmungsverarbeitung.
  • Psychische Verfassung
    Die emotionale und persönliche Entwicklung des Kindes sollte im Rahmen einer psychologischen Untersuchung zusätzlich erfasst werden, insbesondere bei Kindern, die besonders ängstlich und traurig sind, vor Diktaten Bauchschmerzen entwickeln oder z. B. wieder einnässen. Aber auch bei sehr unruhigen, hyperaktiven Kindern ist eine umfangreichere Diagnostik zu empfehlen.
  • Aktuelle Lebensumstände
    Beurteilung des Lebensumfelds (Familie, Schule, Freunde,...)

Zusätzlich zur Testdiagnostik wird ein ausführliches Gespräch über die Entwicklung des Kindes seit der Geburt und über die familiäre Situation durchgeführt.
Anhand dieser gesamten vorliegenden Untersuchungsergebnisse wird dann entschieden, ob bei einem Kind eine Legasthenie vorliegt und wie stark sie ausgeprägt ist.

Muss ein Intelligenztest sein?
Es gibt international eine anhaltende Debatte darüber, ob für die Diagnostik die Intelligenz berücksichtigt werden sollte oder nicht. Die Untersuchungsergebnisse sollten allerdings klar herausstellen, dass eine umschriebene Schwäche im Lesen und/oder Rechtschreiben vorliegt. Hiervon abzugrenzen ist eine allgemeine Lernschwäche aufgrund einer Minderbegabung. Von einer Minderbegabung spricht man, wenn die geistigen Fähigkeiten, gemessen anhand eines Intelligenztests, unterdurchschnittlich sind. Diese Abgrenzung ist unter mehreren Gesichtspunkten sinnvoll: Kinder mit einer Lernschwäche, die durch Minderbegabung enstanden ist, benötigen andere Hilfestellungen und Förderkonzepte als legasthene Kinder. So können legasthene Kinder durchaus einen gymnasialen Abschluß erreichen, wohingegen minderbegabte Kinder einen Hauptschulabschluß erreichen oder die Schule für Lernhilfe ohne Abschluß beenden.
Zudem wird für die mögliche Übernahme der Kosten einer Therapie durch das Jugendamt immer ein Intelligenztest gefordert.

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